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Auf der Suche nach Geschenken
 

Nicole Mund begleitet Menschen im Alltag und hilft ihnen, ihren eigenen Weg zu finden.

Von Julia Rehder

Wäre Nicole Mund ein Tier dann wäre sie ein Pferd. Eines, das fest mit der Erde verbunden und doch jederzeit bereit ist, loszugaloppieren. Eines, das Witterungswechsel lange im Voraus spürt. Und eines, das gern auch mal weit abseits der Herde grast, in der Natur auftankt, um dann mit fröhlichem Gewieher zurückzutraben. „Ein Pferd verkörpert für mich Sicherheit und Freiheit zugleich” sagt die 41-Jährige, die Menschen dabei begleitet, ihr Potential zu entdecken und es auch zu leben.

Sicherheit und Freiheit – zwei Begriffe, die für die Frau mit der blonden Mähne keinen Widerspruch darstellen. Für sie sind es Gegensätze, die sich anziehen und gar nicht ohne einander existieren können. „Wahre Sicherheit ist nur in Freiheit möglich”, sagt Nicole Mund, wobei sie Freiheit im Sinn von innerer Freiheit, also Eigenverantwortung, versteht. Mit anderen Worten: Wer gern und gut für sich selbst sorgt, ist aus eigenem Willen heraus unabhängig; optimistisch und anpackend im besten Sinn also. Diese positive Einstellung, davon ist Nicole Mund überzeugt, ist tragfähiger, als vieles, was wir uns sonst im Leben aufbauen können. Deshalb betrachtet sie auch im Alltag Situationen, die sich erst einmal nicht so schön anfühlen, nur als die andere Seite ein und derselben Medaille. „Irgendwo versteckt sich immer ein Geschenk. Es lohnt sich, danach zu suchen.” Dabei hilft es, sich zurückzulehnen und mit etwas Abstand die Medaille einfach mal umzudrehen.

Der Abstand ist es auch, der ihr bei ihrer Arbeit zugute kommt. Und ihre Gabe, sich mit anderen Menschen zu verbinden. Ohne ein vorgefertigtes Konzept nimmt sie das an, was da ist. Das verleiht ihrer Begleitung etwas Spielerisches, sie jongliert mit den Gegebenheiten: „Ich möchte niemandem eine Wahrheit verkaufen”, sagt Nicole Mund und ihre blauen Augen strahlen. Denn: „Jeder trägt seine Wahrheit in sich. Mit dem Herzen kommt man ihr übrigens viel näher als mit dem Verstand.”

Diese Haltung, die nichts Missionarisches hat, spürt ihr Gegenüber. Wahrscheinlich öffnen sich bei Nicole Mund auch deshalb immer wieder Türen. Ganz wörtlich gemeint, übrigens. Für ein Wochenende geht sie ins Private hinein, lebt mit Paaren, die Streit haben und wieder zu einander finden wollen oder lädt Frauen in Trennungssituationen zu sich nach Hause ein. Wer im Beruf weiterkommen will, den begleitet sie im Büroalltag. Inzwischen sind viele erfolgreiche Unternehmer ihre Kunden. „Je mehr ich integriert sein kann, um so mehr passiert. Nur so sehe ich, wo es hakt”, erklärt die Frau, die ihrer inneren Stimme vertraut.

Die Menschen, die zu ihr kommen, haben fast alle eines gemeinsam: Sie befinden sich in einer Umbruchsituation, haben erkannt, dass ihr bisheriger Weg sie nicht mehr weiter führt, sondern im Gegenteil, sie in ihrer eigenen Entwicklung blockiert. Tief in sich wissen sie meist noch, wo sie eigentlich im Leben hinwollen. Doch das umzusetzen verlangt Mut. Damit sie nicht auf halber Strecke wieder umdrehen und in alte Denkmuster zurückfallen, bietet Nicole Mund ihre Begleitung kontinuierlich eben genau dort an, wo die Leute die Unterstützung auch wirklich brauchen.

Sie weiß, wie wichtig das ist. Als sie vor sechs Jahren ihre feste Stelle als Apothekenhelferin aufgab, fühlte es sich für sie zwischendurch immer wieder so an, als hätte sie den Boden unter den Füßen verloren. Als hätte sie Freiheit gegen Sicherheit getauscht. Doch sie wollte nicht entweder – oder, sondern endlich beides.
Der erste Schritt in die Selbstständigkeit führte sie in den Direktvertrieb, im Bereich „natürliche Gesundheitsprodukte”. Das passte zu ihrer Erfahrung aus der Apotheke und war finanziell interessant. Doch sie musste ihren neuen Job immer wieder gegen die Meinung von Freunden und Bekannten verteidigen. Das war anstrengend und manchmal entmutigend.
Nach drei Jahren erfolgreichen Aufbaus, merkte sie außerdem, dass ihre Stärke vor allem darin liegt, das Potential anderer Menschen zu erkennen. So fiel es ihr auch leicht, sich schnell ein gutes Team aufzubauen. Doch eigentlich wollte sie firmenunabhängig und unabhängig von irgendwelchen Ideologien arbeiten.

Das führte sie schließlich in den Bereich Persönlichkeitsent–
wicklung. In den Seminaren, die sie dann besuchte, bekam sie viel Zuspruch, doch ihr Vertrauen wurde im Alltag immer wieder hart geprüft: Wenn sich die Ziele, die sie sich gesetzt hatte, nicht so leicht umsetzen ließen, fing sie an zu zweifeln, ob ihr neuer Weg nicht doch in eine Sackgasse führen würde.
Wie sehr hätte sie sich da einen Coach gewünscht, der ihr Mut gemacht und sie auf ihrem Weg unterstützt hätte.

Rückblickend hadert Nicole Mund aber nicht. Das wäre auch nicht ihre Art. Im Gegenteil. „Diese Erfahrung war ein besonders großes Geschenk”, sagt sie und schmunzelt. Denn wer weiß: Sonst würde sie die Menschen um sich herum nicht so gut verstehen und hätte vielleicht nie ihr ganz eigenes Geschäftskonzept entwickelt, das wirklich eine Marktlücke ist.
Ihre Klienten unterstützt sie so lange, bis sie an den Punkt kommen, den sie selbst schon lange hinter sich gelassen hat. Den Punkt, an dem einen nichts und niemand mehr aufhalten kann. Wie bei einem Pferd: Wenn es einmal losgaloppiert ist, dann schaut es nicht zurück. Alles, was zählt, ist jetzt.


München, im Februar 2008





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